Jeans - Stilrichtungen und Passformen
Jeans unterscheiden sich in den Passformen. Im Folgenden Möchten Wir euch die verschiedenen Varianten näher bringen.
Schlagjeans
In den 1970er Jahren waren vor allem Jeans im Schnitt von Schlaghosen (engl. bell bottom) verbreitet. Solche Jeans sind am Unterkörper und an den Oberschenkeln sehr eng geschnitten, werden dann aber unterhalb der Knie erheblich weiter. Je nach Fußweite kann das Hosenbein durchaus den kompletten Schuh bedecken.
Der Jeansstoff war oft nicht vorgewaschen, wodurch neue Jeans zunächst sehr steif und wenig bequem zu tragen waren. Erst nach mehrmaligem Waschen wurden der Jeansstoff weicher, und wenn sich der Stoff durch längeres Tragen etwas geweitet hatte, waren die Jeans angenehm zu tragen. Vor allem unter Jugendlichen hat sich das Eintragen neuer Jeans zu einer Art Ritual entwickelt, bei dem Jeans am Körper eingeweicht wurden, sei es in der Badewanne oder beim Baden im offenen Meer. Anschließend ließ man die Jeans am Körper trocknen, wodurch sich der Stoff den Körperformen anpasst. Durch diese Behandlung und durch langes Tragen erhalten die ursprünglich gleichmäßig dunkelblauen Jeans ein typisches Aussehen, das durch helle Falten am Unterkörper und an den Knien geprägt ist. Am Gesäß und an den Oberschenkeln wird der Stoff durch Abnutzung heller.
Schlagjeans gab es auch aus Feincord und Breitcord. Da Cord im Gegensatz zu Jeansstoff kaum dehnbar ist, waren diese Cordhosen im engen Jeansschnitt weniger bequem zu tragen als normale Jeans und nicht sehr verbreitet.
Röhrenjeans
Die typische Passform seit Ende der 1970er Jahre waren sogenannte Röhrenjeans (engl. skinny jeans, us-amerikan. slim-fit pants oder brit.-engl. trousers) mit auf der gesamten Länge eng geschnittenen Hosenbeinen. Jeans dieser Art gab es unter anderem von Wrangler, Paddocks und US Top; zwei typische Modelle sind auch die Levis 631 und die noch enger geschnittene Levis 639. Einige Jeansmodelle hatten eine sehr kleine Fußweite und saßen an den Waden ebenso eng wie an den Oberschenkeln. Hierzu gehören beispielsweise die Modelle Levis 613, die Wrangler Kansas und das Modell Ultraslim des japanischen Herstellers Big John. Als Beispiel ein Vergleich zwischen einigen Röhrenjeans in Größe W30: das Modell Lee Phoenix hat in dieser Größe eine Fußweite von 37 cm, die Modelle 611 und 534 von Levis haben ungefähr 36 cm, die Levis 631 hat 35 cm, die Modelle 613 und 639 von Levis jeweils um 33 cm und am engsten ist die Big John Ultraslim mit nur 31,5 cm Fußweite. Andere Jeansmodelle hatten sogar Reißverschlüsse am Ende der Hosenbeine, um das Anziehen zu erleichtern.
Im Laufe der Jahre wurde der Schnitt der Röhrenjeans verbessert. Frühe Jeans waren der Körperform mitunter nicht gut angepasst und saßen in klein gewählten Größen nicht so optimal, sondern eben wie eine zu enge Hose, die sich lediglich um den Körper spannt, statt dessen Formen nachzuzeichnen und zu modellieren. Spätere Röhrenjeans wie zum Beispiel die Modelle 534 und 611 von Levis oder die Mustang Boots haben dagegen einen ausgesprochen anatomischen Schnitt und liegen sehr gut am Körper an, wenn sie hauteng getragen werden.
Karottenschnitt
In den 1980er Jahren fanden zunehmend auch Jeans im sogenannten Karottenschnitt Verbreitung, mit hohem Bund und mit nach unten konisch zulaufendem Schnitt: unterhalb des Gesäßes weit bis sehr weit, am Beinende eng geschnitten, ab mittlerer Höhe des Oberschenkels werden die Hosenbeine kontinuierlich schmaler; eine im Vergleich zu Röhrenjeans lockere Passform, die nicht die Weite der Baggyjeans der 1990er Jahre erreicht. Diese Art Jeans war gerade unter Poppern sehr beliebt und wurde darüber hinaus oft auch als Designerjeans zu relativ hohen Preisen angeboten. Ein Beispiel ist die Marke Fiorucci der japanischen Firma Edwin, die damit kommerziell erfolgreich war. Das in den 1990er Jahren populäre Modell Saddle des Labels Diesel interpretiert den Karotten-Schnitt noch lockerer: Passform mit insgesamt weiter Oberschenkelpartie und nicht ganz so engem Beinabschluss, erst etwa ab Kniehöhe wurden die Hosenbeine schmaler.
Während Jeans zunächst nur in dunkelblau erhältlich waren, wurde es seit den 1980er Jahren zunehmend beliebt, Jeans chemisch oder mechanisch zum Beispiel durch Waschen mit Steinen zu bleichen. Jeans sind seit dieser Zeit in diversen hellen Blautönen bis hin zu nahezu weißem Stoff erhältlich. Außerdem gibt es verschiedene optische Effekte durch Waschungen wie stone washed, moon washed oder mouth washed, die zum Teil auch darauf abzielen, Jeans schon beim Kauf gebraucht aussehen zu lassen (used-look). Es kamen auch Jeans in anderen Farben als blau auf den Markt. Verbreitet waren vor allem schwarz und rot, letzteres insbesondere in Blau-Tönen.
Reitjeans
Reitjeans sind Jeans, die speziell zum Reiten entworfen werden und als Ersatz für normale Reithosen getragen werden. Die Besonderheit gegenüber normalen Jeans besteht darin, dass Reitjeans entweder keine oder eine speziell verarbeitete Naht an der Beininnenseite haben, um zu verhindern, dass diese Naht beim Reiten auf der Haut scheuert. Reitjeans haben oft eine zusätzliche Lage Stoff an der Beininnenseite von Kniehöhe an abwärts, oder auch einen Lederbesatz wie bei normalen Reithosen. Als Material wird meist Stretchdenim verwendet. Der Schnitt von Reitjeans ist entweder wie bei einer klassischen Stretchjeansdurchgehend hauteng bis zu den Füßen, um die Reitjeans zu normalen Reitstiefeln tragen zu können, oder etwas weiter im Stil der sogenannten Jodhpurhose.
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